Nachbericht: Stuttgarter Kinderfilmtage 2023 „Wir Kinder – Unser Blick auf die Welt“
Fast zwei Gewinner und intensivste Diskussionen
Ende Januar fanden – wie seit vielen Jahren – die Stuttgarter Kinderfilmtage statt, die in diesem Jahr sieben internationale Wettbewerbsfilme im Kino Gloria sowie am Treffpunkt Rotebühlplatz in der VHS Stuttgart präsentierten. 2.500 Kinder sahen diese Filme in den fünf Tagen! Der Siegerfilm wurde jedoch nicht vom Publikum gewählt, sondern von einer Kinderjury. Saskia Nakari, Medienpädagogin am Stadtmedienzentrum Stuttgart, betreute die Kinderjury. Hier ihr Bericht:
Die Wahl des Gewinnerfilms ist der Kinderjury in diesem Jahr wirklich nicht leicht gefallen. Immerhin musste sie ganz unterschiedliche Filme aus Schweden, den Niederlanden, Irland, Japan, Südkorea, Slowenien und dem Iran miteinander vergleichen. Und zudem waren diese Filme, die unter dem Motto „Wir Kinder – Unser Blick auf die Welt“ gezeigt wurden, nicht immer leichte Kost. Um nicht zu sagen: Mitunter waren die Filme sogar eher traurig und schwer verdaulich.
Bereits seit November 2022 hatte Frau Nakari die Jury auf die verantwortungsvolle Aufgabe der Analyse und Beurteilung von Filmen vorbereitet. Die fünf Mädchen und zwei Jungs (zwischen 10 und 12 Jahren alt) diskutierten direkt nach jedem Film. Sie machten sich die Arbeit nicht leicht; so lange Diskussionen hatte es in den letzten Jahren nicht gegeben. In der Abschlussrunde wurde sogar ganze fünf Stunden diskutiert! Dabei standen zwei Filme für den „Preisträgerfilm der Stuttgarter Kinderfilmtage“ bis zum Schluss in der engeren Auswahl. Bei der Preisverleihung im Treffpunkt Rotebühl am letzten Tag der Kinderfilmtage enthüllte die Jury dann ihre Entscheidung: „Mein kleines Land“ hat sich knapp gegen „Das stille Mädchen“ durchgesetzt. Letztere bekam dann aber eine gut durchdachte lobende Erwähnung.
Preisträgerfilm der Stuttgarter Kinderfilmtage 2023
Mein kleines Land („My small Land“), Japan 2022
Inhalt: In dem Film bekommen wir Einblicke in das Leben der 17-jährigen Sarya, die vor zehn Jahren gemeinsam mit ihrem Vater und zwei Geschwistern als Kurden aus der Türkei nach Japan fliehen mussten. Sie ist eine gute Schülerin, hat zwei zuverlässige Freundinnen und verliebt sich bei ihrem Nebenjob im Supermarkt in ihren Arbeitskollegen. Jedoch bekommt Saryas Vater den Flüchtlingsstatus aberkannt und verliert somit seine Arbeitsgenehmigung. Das wirkt sich schnell auch auf seine Kinder aus und Sarya muss in kurzer Zeit eine ganz andere Art von Verantwortung übernehmen.
Das Votum der Kinderjury: In dem Film geht es um das wichtige Thema Zusammenhalt unter Geschwistern in schwierigen Situationen und wie es ist, als geflüchtete Familie in einem fremden Land und in einer fremden Kultur Fuß zu fassen.” Es werden außerdem noch viele weiterte wichtige Themen behandelt wie Alltagsrassismus, Nächstenliebe oder erste Liebe. Das macht den Film sehr interessant und unterhaltsam. Zudem regt er junge Zuschauerinnen und Zuschauer zum Nachdenken an. Trotz oder grade wegen der eher ruhigen Kameraarbeit und der langen Einstellungen ist man 114 Minuten dabei und kann sich in die sich stetig zuspitzende Lage der jugendlichen Protagonistin gut hineinfühlen.
Fast ebenfalls Erstwahl
Lobende Erwähnung der Jury fand außerdem folgender Film:
Das stille Mädchen, Irland 2022
Das Votum der Kinderjury: Die Situation der jungen Protagonistin, die von ihren leiblichen Eltern aufgrund von Armut und Überforderung der Mutter emotional und körperlich vernachlässigt wird, hat die Jurykinder sehr stak berührt. Dass sie bei der Cousine der Mutter und ihrem Mann dann liebevolle Zuwendung erfährt, wird von uns Zuschauern dankend angenommen. Die Bildsprache und die Ruhe des Films zog uns in den Bann. Ganz knapp hat dieser Film den ersten Platz verpasst.
Ein gelungenes Festival
Auf der Preisverleihung präsentierten auch die zwölf Kinderfilmreporter/-innen die Videoberichte, die sie während der Festivaltage aufgenommen hatten. Abgeschlossen wurde das Festival dann mit der Vorführung des wunderbaren Gewinnerfilms des letzten Jahres „Sune, trau dich!“ (OT: Sune – Best Man).




